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Der Beginn der Traktorenproduktion fiel in die Wiederaufbauzeit. Lastkraftwagen- und Traktorenproduktion hatten im Hauptwerk Steyr gemeinsame Fertigungs- und Montageeinrichtungen.
Nach den wechselvollen Nachkriegsjahren wurde das Werk St. Valentin 1957 in die Steyr-Daimler-Puch AG eingegliedert. Im selben Jahr verlangte der rasche Anstieg des Produktionsvolumens die Verlagerung von Aggregatefertigungen nach St. Valentin. 1974 wanderte auch die Traktorenmontage dorthin. Damit konzentrierte sich die Erzeugung von Traktoren und Landmaschinen im Werk St. Valentin.
Die Tradition des Traktorenbaus in der Steyr-Daimler- Puch AG beruht auf den drei altösterreichischen Industriebetrieben Steyr, Daimler und Puch mit jeweils langer Erfahrung im Bau von Automobilen. Hier haben sich hohes technisches Können und Erfindergeist getroffen und schon früh erste Ansätze zum Bau von Zug- und Arbeitsfahrzeugen für die sehr arbeitsintensive Landwirtschaft entstehen lassen. Direkt hat sie die Tatsache zusammengeführt, dass sie Schuldner bei der „Bodenbank“ waren, die selbst illiquid wurde und als Creditanstalt-Bankverein wiederbegründet wurde.
Als Urahn der Steyr-Traktoren kann der 1928 gebaute
80 PS-Schlepper mit Vierzylinder Benzinmotor gelten. Technisch seiner Zeit voraus, allerdings mit Vollgummireifen ausgerüstet, schaffte es dieses Modell indessen nicht zur Serienreife. Die Weltwirtschaftskrise ließ das nicht zu.
Hohe Exporte in den 50er Jahren
In der Anfangszeit stand der Heimatmarkt im Vordergrund. Doch bereits 1950 kamen hohe Exportzahlen hinzu. Die Exportrate betrug in diesen Jahren fast 40%, in den Jahren bis 1960 immerhin noch 25%. Es waren dies die Traktoren der Baureihe 13, die als Erstmechanisierung auch in den fernen Ländern wie Iran und Nordafrika ankamen. 1956 war das Jahr der höchsten Stückzahlen im Inland mit 12.453 Traktoren. Nie zuvor hatte die Jahresproduktion die insgesamt 14.925 Traktoren des Jahres 1956 überstiegen.
60er Jahre: Blütezeit der Ladewagen-Produktion
Im Bestreben, den Traktor mit arbeitserleichternden Maschinen zu ergänzen, griff Steyr 1961 die Idee Ernst Weichels, Landwirt aus dem deutschen Heinigen, auf und entwickelte den selbstaufladenden Anhänger als Ladewagen zur Serienreife. Der Steyr Hamster wurde zu einem Produkt aus St. Valentin und bildete eine ideale Kombination mit den grünlandtauglichen Traktoren aus demselben Werk. Insgesamt wurden 64.000 Ladewagen produziert.
Dieselbe Motivation stand Pate bei der Ausweitung der Produktpalette um Frontlader, die den Traktor noch mehr zu einer Universalmaschine machten.
Die Marktregulierungen über die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) und der Ausweg zur EFTA veränderten die Vertriebsmöglichkeiten beträchtlich. Steyr versuchte über Projekte größere Stückzahlen in neue Märkte abzusetzen. So z.B. den Typ 288 in Thailand, den Steyr 540 in Indien nach vorangegangenem positiv abgeschlossenen Feldtest, den Steyr 760 in Tunesien. Über Kooperationen mit Partnern ging man daran, neue Märkte zu erschließen, so z.B. mit den ungarischen Firmen Dutra am Traktorsektor und Hodgep am Ladewagensektor.
1975 vereinbarte Steyr mit der Firma KHD die gegenseitige Verwendung von Traktorgetrieben. 1984 begann mit der finnischen Firma Valmet eine Kooperation zur Entwicklung von Getrieben und Motoren. In Projekten der Steyr-Daimler-Puch AG konnte der Steyr Traktor neben anderen Produkten 1973 nach Saloniki/Griechenland und 1979 nach Bauchi/Nigerien mitgehen, woraus sich neue Marktchancen ergaben, allerdings mit starken politischen Abhängigkeiten.
Neue Steyr Projekte in den 70er Jahren
1977/78 baute Steyr eine lang währende Verbindung mit der Firma Donatim in der Türkei auf. Bis 1995 umfasste das Liefervolumen knapp 53.000 Teilesets für den türkischen Bedarf. Die daraus endmontierten Traktoren enthielten im Laufe der Zeit eine wachsende Zahl in der Türkei gefertigter Teile. Die fortschreitende Industrialisierung der Türkei erlaubte im Gegenzug den partnerschaftlichen Aufbau langjähriger Lieferantenstrukturen in der Türkei. Ein Beispiel dafür ist die Firma Hisalar, Hersteller von Fahrerschutzrahmen und Schweißteilen für die Baureihe 900/900 M.
Die wachsende Nachfrage nach Hochleistungsgeräten für die Futterernte führte 1980 zur Zusammenarbeit mit der Firma Pöttinger, Hersteller von Maishäckslern. Gemeinsam entwickelte man ein Trägerfahrzeug, das mit LKW-Motoren in der Leistungsklasse von 245 bis 320 PS ausgerüstet war. Es war für die Futterernte bestens geeignet, aber auch für Schneeräumungen und andere Spezialeinsätze.
Umstrukturierung in den 80er Jahren
Zur nachhaltigen Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit begann die Konzernleitung Anfang der 80er Jahre mit umfangreichen Rationalisierungs- und Umstrukturierungsmaßnahmen. Eine der wichtigsten Maßnahmen war die Reduzierung der hohen Fertigungstiefe, d.h. Zukauf bzw. Auslagerung von Produktionsschritten. Hinzu kam die natürlich nicht reibungsfreie Einführung neuer Entlohnungs- und Akkordsysteme. Die Neuausrichtung der Steyr-Daimler-Puch AG führte schließlich zur Ausgliederung der Traktorensparte in die Steyr Landmaschinen Technik GmbH (SLT). In der Tat durchlief Steyr nicht immer nur einfache Zeiten. Die Herausforderungen waren groß; die Antworten, die zu geben waren, nicht immer einfach und leicht.
Fusion mit Case IH in den 90er Jahren
1995 kam es zur Zusammenarbeit mit Case IH in Neuss. Die Traktoren der Baureihe 900 konnten das Case-Produktprogramm gut ergänzen. Eine zügig in Case Design gestaltete Sonderausführung fand bei den Kunden Anklang, und so kam es zum Abschluss eines umfassenden Liefervertrages. Bereits ein Jahr später wurde die Steyr Landmaschinentechnik in den Case Konzern integriert. So entstand die Case Steyr Landmaschinentechnik, die fortan in engster Zusammenarbeit die Produkte als Steyr und Case IH Traktoren erzeugte.
Der so deutlich erweiterte Vertriebsbereich erlaubte, die Produktionszahlen wesentlich zu erhöhen und auf hohem Niveau abzusichern. 1999 wurde der Case Konzern von New Holland in den neu entstandenen Konzern Case New Holland (CNH) integriert. Eine bis heute fortdauernde intensive und ergiebige Zusammenarbeit zum Nutzen der Landwirtschaft war etabliert.
21. Jahrhundert: Steyr präsentiert sich stärker denn je
Im Jahr 2006 wurde St. Valentin Europazentrale von Case IH & Steyr. Diese neue Position brachte viele positive Veränderungen: die gesamte Führungscrew aus den Bereichen Marketing, Vertrieb, Entwicklung, Training, Finanzen, Service und Parts wurde am Standort konzentriert, gemeinsam mit Europachef Andreas Klauser ist man für ein Budget von einer Milliarde Euro verantwortlich. Mit mehr als 600 Mitarbeitern zählt das Unternehmen zudem zu den wichtigsten regionalen Arbeitgebern.
2008 wurden in St. Valentin knapp 11.500 Traktoren produziert – ein neuer Rekord und ein Plus von mehr als 45 Prozent gegenüber dem Vorjahr! Darüber hinaus beweisen auch die Zahlen der Zulassungsstatistik die Vorherrschaft am österreichischen Traktorenmarkt. Gemeinsam mit Case IH wurde 2010 ein Marktanteil von 22,3 Prozent erreicht. Die Traditionsmarke Steyr bleibt weiterhin unangefochten an der Spitze.
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